Ratgeber

Richtig ankern: das Ankermanöver Schritt für Schritt

Ankern sieht simpel aus: Anker runter, fertig. Tatsächlich entscheidet sich beim Ankern, ob eine Nacht ruhig verläuft oder ob man um drei Uhr morgens mit der Taschenlampe den Nachbarn sucht. Die gute Nachricht: Es ist eine Routine, und Routinen lassen sich lernen.

1. Den Liegeplatz prüfen: Tiefe, Grund, Schwoiraum

Bevor irgendetwas ins Wasser geht, drei Fragen:

Wie tief ist es - und wie tief wird es? Entscheidend ist nicht der Wert auf dem Echolot, sondern die Tiefe bei Niedrigwasser. Wo Gezeiten herrschen, gehört der Tidenhub in die Rechnung, sonst liegt das Boot morgens auf dem Trockenen.

Was ist der Grund? Die Seekarte sagt es: Sand und Schlick halten gut, Kies mittel, Fels und Seegras halten schlecht. Über Seegras rutscht ein Anker, weil er sich nicht eingraben kann - der häufigste Grund für einen slippenden Anker in einer eigentlich geschützten Bucht.

Wie groß ist der Schwoiraum? Das Boot dreht sich um den Anker, sobald Wind oder Strom drehen. Der Schwoikreis hat den Radius aus ausgefahrener Kette plus Bootslänge - und er muss frei sein von Nachbarn, Untiefen und der Küste. Wer neben einem Boot ankert, das an einer Leine liegt statt an Kette, schwoit anders als der Nachbar und liegt nachts plötzlich Bord an Bord.

Und der Wind? Die Bucht muss aus der Richtung geschützt sein, aus der der Wind nachts kommt - nicht aus der, aus der er beim Ankern weht. Was die Vorhersage praktisch bedeutet, steht in Windstärken verstehen.

2. Mit dem Bug langsam in den Wind drehen

Das Boot wird gegen Wind (oder gegen den Strom, wenn der stärker ist) aufgestoppt - genau über der Stelle, an der der Anker liegen soll.

„Langsam” heißt hier: bis zum Stillstand. Ein Boot, das noch Fahrt macht, zieht die Kette über den Anker, bevor der Anker Zeit hatte, sich einzugraben.

3. Anker fallen lassen - nicht werfen

Der Anker wird kontrolliert gefiert, nicht geworfen. Ein geworfener Anker landet auf seiner eigenen Kette, verhakt sich darin und liegt dann flach auf dem Grund, statt sich einzugraben.

Der Ablauf: Anker bis auf Grund fieren. Dann langsam rückwärts fahren und die Kette gleichmäßig ausrauschen lassen, sodass sie sich lang auf den Grund legt. Genau diese liegende Kette ist es, die den Zug flach hält - und ein flacher Zug ist der Grund, warum ein Anker überhaupt hält.

4. Kette ausfahren: drei- bis fünffache Wassertiefe

In der Prüfung lautet die Antwort: das 3- bis 5-fache der Wassertiefe, abhängig von Wetter und Strom. Das ist die Zahl, die der amtliche SKS-Fragenkatalog erwartet — schreib sie so.

In der Praxis fährt kaum jemand mit 3:1. Üblich sind 4:1 bis 5:1, bei Wind, Schwell oder über Nacht 7:1 bis 8:1. Bei einer Ankerleine mit kurzem Kettenvorlauf deutlich mehr, weil das Gewicht fehlt, das den Zug flach hält.

Der Unterschied ist kein Widerspruch: Die Prüfungszahl nennt das Minimum, unter dem der Anker prinzipiell nicht mehr greift. Die Praxiszahl nennt das, womit man ruhig schläft.

Gerechnet wird ab der Bugklüse, nicht ab der Wasserlinie - und mit der Tiefe bei Hochwasser, sonst ist die Kette bei auflaufendem Wasser plötzlich zu kurz.

Dann prüfen, ob er hält: kurz mit dem Motor rückwärts Zug aufbauen und dabei zwei Landmarken in Deckpeilung halten - zwei Punkte an Land, die übereinanderstehen. Verschieben sie sich gegeneinander, slippt der Anker. Ein zweiter Test: die Hand auf die Kette. Ein haltender Anker überträgt ein gleichmäßiges Zittern, ein slippender ein ruckartiges Springen.

5. Position kontrollieren - und das Signal setzen

GPS-Ankeralarm setzen, aber nicht blind vertrauen: Der Alarm misst einen Radius, und ein Boot, das normal schwoit, wandert durch diesen Radius, ohne dass etwas passiert ist. Deshalb zusätzlich zwei Landmarken merken und über den Abend hinweg peilen.

Und dann das, was in der Prüfung gefragt wird und in der Praxis vergessen wird: das Ankersignal.

Wer nachts ohne Ankerlicht liegt, ist für andere nicht von einem fahrenden Fahrzeug zu unterscheiden. Welche Lichter welches Fahrzeug zeigt, steht in Lichterführung, die schwarzen Signalkörper bei Tag in Tageszeichen erkennen.

Die drei häufigsten Fehler

  1. Zu wenig Kette. Der mit Abstand häufigste Grund für einen slippenden Anker. Wer zweifelt, gibt mehr - Kette kostet nichts, eine Grundberührung schon.
  2. Anker geworfen statt gefiert. Er gräbt sich nicht ein und man merkt es erst, wenn der Wind auffrischt.
  3. Schwoiraum vergessen. Beim Ankern weht der Wind aus einer Richtung. Um vier Uhr morgens aus einer anderen - und dann zählt der ganze Kreis, nicht die Position beim Ankern.

Und beim Ankerauf

Rückwärts an der Kette entlang fahren, während sie eingeholt wird - so wird der Anker nicht vom Boot losgerissen, sondern senkrecht aus dem Grund gezogen. Steht die Kette senkrecht und der Anker löst sich nicht, hilft Geduld statt Kraft: kurz warten, das Boot bricht ihn durch seine eigene Bewegung los. Wer mit der Winsch zieht, beschädigt nur die Winsch.


Ankern gehört zur Seemannschaft, und die ist einer der Prüfungsteile, in denen Verständnis mehr zählt als Auswendiglernen. SKIPPR legt dir jede Frage genau dann vor, bevor du sie vergisst - und die interaktiven Trainer üben Lichter, Tageszeichen und Ausweichregeln so, wie sie in der Prüfung vorkommen.

Was sonst vor jedem Ablegen dran ist, steht in der Checkliste vor dem Ablegen.

Häufige Fragen

Wie viel Ankerkette muss ich ausfahren?

In der Prüfung: das Drei- bis Fünffache der Wassertiefe, je nach Wetter und Strom - so steht es im amtlichen SKS-Fragenkatalog („Kette/Leine in Abhängigkeit vom Wetter/Strom bis auf das 3- bzw. 5fache der Wassertiefe stecken“). In der Praxis nimmt man eher das Vier- bis Fünffache, bei viel Wind oder Schwell das Sieben- bis Achtfache. Bei einer Leine mit kurzem Kettenvorlauf braucht es deutlich mehr, weil das Gewicht fehlt, das den Zug flach hält. Wichtig: Die Wassertiefe ist die Tiefe bis zur Bugklüse plus der erwartete Tidenhub, nicht der Wert vom Echolot.

Wirft man den Anker oder lässt man ihn fallen?

Fallen lassen, langsam und mit Fahrt achteraus. Ein geworfener Anker landet auf seiner eigenen Kette, verhakt sich in ihr und gräbt sich nicht ein. Richtig ist: Boot bis zum Stillstand bringen, Anker auf Grund fallen lassen, dann langsam rückwärts fahren und die Kette gleichmäßig ausrauschen lassen, damit sie sich lang auf den Grund legt.

Woran merke ich, dass der Anker hält?

Nach dem Ausfahren der Kette kurz mit dem Motor rückwärts Zug aufbauen und dabei zwei Landmarken in Deckpeilung beobachten. Verschieben sie sich, slippt der Anker. Zusätzlich die Kette anfassen: Ein haltender Anker gibt ein gleichmäßiges Zittern, ein slippender ein ruckendes Springen. Danach GPS-Ankeralarm setzen und trotzdem regelmäßig peilen.

Welches Signal muss ein ankerndes Fahrzeug zeigen?

Bei Tag einen schwarzen Ball im Vorschiff, bei Nacht ein weißes Rundumlicht (bei Fahrzeugen ab 50 Meter zusätzlich ein zweites achtern und tiefer). Das ist keine Formsache: Wer nachts ohne Ankerlicht liegt, ist für andere nicht von einem fahrenden Fahrzeug zu unterscheiden - und für die Prüfung ist es Pflichtstoff.

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