Ratgeber

Windstärken verstehen: die Beaufort-Skala für Sportboote

Die Beaufort-Skala geht von 0 bis 12. Für die Prüfung musst du die Stufen und ihre Bezeichnungen kennen, für die Praxis reichen fünf Bereiche - und das Wissen, ab wann du eine Entscheidung treffen musst statt sie zu verschieben.

Die Skala im Überblick

BftBezeichnungWas du siehst
0WindstilleSpiegelglatte See, Rauch steigt senkrecht
1leiser ZugSchuppenförmige Kräuselwellen ohne Schaum
2leichte BriseKleine, kurze Wellen, glasige Oberfläche
3schwache BriseErste Schaumköpfe
4mäßige BriseKleine, längere Wellen, viele Schaumköpfe
5frische BriseMäßige Wellen, überall Schaumkronen
6starker WindGrößere Wellen, beginnende Gischtstreifen
7steifer WindSee türmt sich, weißer Schaum legt sich in Streifen
8stürmischer WindHohe Wellenberge, dichte Schaumstreifen
9SturmRollende See, Gischt beeinträchtigt die Sicht
10schwerer SturmSee wird weiß, schwere stoßartige Böen
11orkanartiger SturmSee vollständig mit Schaum bedeckt
12OrkanLuft mit Schaum und Gischt gefüllt, keine Sicht

Die zwei häufigsten Verwechslungen, beide prüfungsrelevant: 4 Bft ist die mäßige Brise - die frische Brise ist 5 Bft. Und Sturm beginnt erst bei 9 Bft; 8 Bft heißt stürmischer Wind. Umgangssprachlich wird das durcheinandergeworfen, in der Prüfung nicht.

Die fünf Bereiche, die praktisch zählen

0-3 Bft: lernen, üben, genießen

Ideales Übungswetter. Manöver lassen sich in Ruhe fahren, Fehler sind korrigierbar, niemand wird nass. Wer Anlegen übt, übt hier.

Der Haken: Ein Segler kommt bei 0-2 Bft kaum voran, und wer sich nur bei diesem Wetter auf sein Boot traut, sammelt keine Erfahrung für den Tag, an dem es anders kommt.

4 Bft - mäßige Brise: das Standardwetter

Die Stufe, bei der die meisten Törns stattfinden. Ein Segelboot läuft gut, ein Motorboot liegt ruhig, die See ist bewegt aber berechenbar. Für die Crew ist es der erste Wind, bei dem Seekrankheit ein Thema wird - was dagegen hilft, steht in Seekrankheit vermeiden.

5-6 Bft - frische Brise bis starker Wind: reffen

Hier endet der Genusstörn und beginnt das Arbeiten. Reffen, bevor es nötig wird, nicht danach - im Starkwind ein Reff einzubinden ist ungleich schwerer als vorher. Die Hand bleibt am Steuer, die Crew sitzt angeschnallt.

Auf offener See beginnt bei 6 Bft typischerweise die Starkwindwarnung. Das ist das Signal, die Planung zu überdenken: Passt der Zielhafen noch? Ist die Ansteuerung bei diesem Wind sicher? Gibt es einen Ausweichhafen?

7 Bft - steifer Wind: Hafen anlaufen

Für Sportboote die Grenze. Wer draußen ist, läuft den nächstgelegenen sicheren Hafen an - nicht den geplanten. Ansteuerungen werden bei diesem Wind schwierig, besonders bei auflandigem Wind und flachem Wasser, wo die See steil und brechend wird.

Ab 8 Bft - stürmischer Wind: nicht auslaufen

Keine Abwägung, keine Ausnahme für „nur ein kurzes Stück”. Ab 8 Bft (und erst recht ab 9 Bft, dem eigentlichen Sturm) gehört ein Sportboot in den Hafen. Eine Sturmwarnung wird typischerweise ab 8 Bft herausgegeben.

Warum die Zahl allein nicht reicht

Dieselbe Windstärke bedeutet an verschiedenen Orten Verschiedenes:

Windstärke fühlen lernen

Die Zahlen zu kennen reicht für die Prüfung. Für die Praxis brauchst du etwas anderes: die Fähigkeit, aus dem Fenster oder über die Reling zu schauen und zu wissen, was da draußen los ist.

Der Weg dahin ist simpel und braucht keine Ausrüstung: Schätze vor jedem Törn, bevor du die Vorhersage liest. Notiere deine Schätzung, vergleiche sie danach. Nach einer Saison liegst du zuverlässig auf eine halbe Stufe genau - und das ist die Fähigkeit, die dir später eine Entscheidung abnimmt, wenn die Vorhersage veraltet ist oder das Handy keinen Empfang hat.


Wetterkunde ist einer der Prüfungsteile, in dem Auswendiglernen am wenigsten trägt - man muss die Zusammenhänge verstehen. SKIPPR legt dir die Fragen genau dann vor, bevor du sie vergisst, und erklärt jede Antwort statt sie nur zu bewerten.

Was der Himmel schon vor der Vorhersage verrät, steht in Seewetter und Wetterkunde verstehen.

Häufige Fragen

Wie heißen die Beaufort-Stufen auf Deutsch?

0 Windstille, 1 leiser Zug, 2 leichte Brise, 3 schwache Brise, 4 mäßige Brise, 5 frische Brise, 6 starker Wind, 7 steifer Wind, 8 stürmischer Wind, 9 Sturm, 10 schwerer Sturm, 11 orkanartiger Sturm, 12 Orkan. Die häufigste Verwechslung: 4 Bft ist die mäßige Brise, die frische Brise ist 5 Bft. Und Sturm beginnt erst bei 9 Bft - 8 Bft ist stürmischer Wind.

Ab welcher Windstärke sollte ich nicht mehr ausfahren?

Als Faustregel für Sportboote: Ab 7 Bft (steifer Wind) gehört ein Törn abgebrochen und der nächste Hafen angelaufen, ab 8 Bft (stürmischer Wind) läuft man gar nicht erst aus. Entscheidend ist aber nicht die Zahl allein, sondern die Kombination aus Bootsgröße, Crew-Erfahrung, Revier und Seegang - auf einem engen Binnenrevier ist ein 6er anders zu bewerten als auf offener See.

Wie erkenne ich die Windstärke ohne Messgerät?

An der Wasseroberfläche. Ab 2 Bft kleine kurze Wellen, ab 3 Bft erste Schaumköpfe, ab 4 Bft viele Schaumköpfe und kleine längere Wellen, ab 5 Bft überall Schaumkronen, ab 6 Bft beginnende Gischtstreifen, ab 7 Bft weißer Schaum, der sich in Streifen in Windrichtung legt. Diese Merkmale sind Teil der Beaufort-Definition und werden in der Prüfung abgefragt.

Was bedeutet Starkwindwarnung und Sturmwarnung?

Eine Starkwindwarnung wird typischerweise ab 6 Bft herausgegeben, eine Sturmwarnung ab 8 Bft. Für Sportboote ist schon die Starkwindwarnung das Signal, die Planung zu überdenken - sie kommt nicht ohne Grund, und der angekündigte Wind trifft selten pünktlich und nie gleichmäßig ein.

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