Ratgeber
Checkliste vor dem Ablegen: die 5 Punkte, die jedes Mal dran sind
Erfahrene Skipper prüfen vor dem Ablegen nicht mehr nach Gefühl, sondern nach einer festen Reihenfolge. Nicht weil sie vergesslich wären, sondern weil eine Routine genau dann noch funktioniert, wenn es hektisch wird: schlechtes Wetter im Anzug, ungeduldige Crew, ein Liegeplatz, an dem man nicht ewig blockieren will.
Diese fünf Punkte sind jedes Mal dran - beim ersten Törn genauso wie beim hundertsten.
1. Wetter und Wasserstand für die Strecke
Nicht „wie wird das Wetter heute”, sondern wie wird es dort, wo ich hinwill, in dem Zeitraum, in dem ich unterwegs bin. Eine allgemeine Wetter-App reicht dafür nicht.
Worauf es ankommt:
- Windrichtung und -stärke, und zwar über den ganzen Törn - ein auflandiger 5er am Nachmittag macht aus einem entspannten Hafen eine Falle.
- Tendenz statt Momentaufnahme: Ein rasch fallender Luftdruck kündigt Starkwind an, lange bevor man ihn spürt.
- Wasserstand und Strom, wo Gezeiten eine Rolle spielen. Wie das zusammenhängt, steht im Ratgeber Gezeiten verstehen.
- Die Rückfahrt. Der häufigste Planungsfehler ist eine Hinfahrt mit Rückenwind, die auf dem Rückweg zur Kreuz gegen 6 Bft wird.
Was die Windstärken praktisch bedeuten - und ab wann man besser im Hafen bleibt - steht in Windstärken verstehen. Die Zeichen am Himmel, die dem Wetterbericht vorauslaufen, behandelt Seewetter verstehen.
2. Technik: Tank, Öl, Batterie, Lenzpumpe
Der unspektakulärste Punkt und der, an dem die meisten Törns tatsächlich scheitern.
- Tank: voll genug für Hin- und Rückweg plus Reserve. Die alte Regel: ein Drittel hin, ein Drittel zurück, ein Drittel bleibt.
- Ölstand am Motor - ein Blick, zehn Sekunden.
- Batterie: Spannung prüfen. Eine Batterie, die den Motor gerade noch startet, startet ihn nach vier Stunden Ankern nicht mehr.
- Lenzpumpe: einmal von Hand auslösen und hören, ob sie läuft. Eine Lenzpumpe, die erst im Ernstfall getestet wird, ist keine.
- Seeventile und Bilge: ein Blick in die Bilge zeigt Wassereinbruch, bevor er ein Problem wird.
3. Rettungswesten anlegen lassen
Nicht „griffbereit legen” - anlegen. Auch im Hafen, auch bei Sonnenschein, auch wenn es albern wirkt.
Der Grund ist nüchtern: Eine Weste, die man erst im Notfall anzieht, wird im Notfall nicht angezogen. Wer über Bord geht, geht unvorbereitet über Bord - beim Anlegen, bei einer unerwarteten Welle, beim Ausrutschen auf nassem Deck.
Prüfen: Passt sie? Automatikwesten brauchen eine gültige Patrone und eine Wartung, die nicht überfällig ist. Bei Kindern und Nichtschwimmern gehört ein Schrittgurt dazu, sonst rutscht die Weste beim Eintauchen nach oben.
4. Funk und Lichter testen
Funk: Anlage einschalten, Kanal 16 prüfen, DSC-Funktion und die Position vom GPS kontrollieren. Ein Funkgerät ohne aktuelle Position setzt im Notfall einen Alarm ohne Ort ab. Welcher Funkschein für dein Revier gilt, klärt Welcher Funkschein: SRC, UBI oder LRC?.
Lichter: einmal alle durchschalten, auch bei Tagesfahrt. Ein ausgefallenes Hecklicht merkst du sonst genau dann, wenn du es brauchst - im Dunkeln, und ohne Ersatzbirne an Bord. Was welche Lichterkombination bedeutet, steht in Lichterführung: Schiffe bei Nacht erkennen.
5. Crew-Briefing mit Mann-über-Bord-Plan
Der Punkt, der am häufigsten übersprungen wird - und der einzige, der im Ernstfall über Minuten entscheidet.
Fünf Minuten, bevor die Leinen los sind:
- Wo liegt was: Westen, Rettungsring, Feuerlöscher, Verbandskasten, Seenotsignalmittel.
- Mann über Bord: Wer „Mann über Bord!” ruft, drückt den MOB-Knopf am GPS und lässt die Person nicht aus den Augen - das ist die wichtigste Aufgabe an Bord und sie hat nur einen Job.
- Wer fasst was an: Winschen, Schoten, Gasflasche, Seeventile.
- Was gilt beim Anlegen: wer welche Leine nimmt, und dass niemand mit dem Fuß oder der Hand abfängt.
Ein Briefing ist keine Belehrung. Es ist die einzige Gelegenheit, in Ruhe zu sagen, was später niemand mehr in Ruhe erklären kann.
Zusätzlich beim ersten eigenen Törn
Wer zum ersten Mal ohne Ausbilder losfährt, hat drei Punkte mehr:
Der Schein im Original. Kopie oder Handyfoto genügen nicht - weder bei einer Kontrolle noch bei der Charterübernahme. Dasselbe gilt für Funkzeugnisse, sobald eine Funkanlage an Bord ist. Was wo gilt, steht in der Bootsführerschein-Übersicht.
Die Charterübergabe wirklich nutzen. Vorhandene Schäden dokumentieren (Fotos mit Zeitstempel), sich die Sicherheitsausrüstung zeigen lassen statt nur abhaken, und Motor, Funk und Ankerwinsch einmal selbst bedienen, solange der Vercharterer noch danebensteht. Die halbe Stunde spart später Stunden.
Eine Reserve im Zeitplan. Der erste eigene Törn dauert immer länger als geplant - Anlegen dauert länger, Ablegen dauert länger, alles dauert länger. Wer den Hafen bei Tageslicht erreichen will, plant zwei Stunden Puffer ein und nicht dreißig Minuten.
Warum die Reihenfolge zählt
Die fünf Punkte gehen bewusst von außen nach innen: erst die Bedingungen, die du nicht beeinflussen kannst (Wetter), dann das Boot (Technik), dann die Ausrüstung (Westen, Funk, Lichter), zuletzt die Menschen (Briefing).
So gebaut, hält die Liste auch unter Zeitdruck. Und sie endet bei dem Punkt, den man am leichtesten weglässt - und am wenigsten weglassen sollte.
Der Theoriestoff hinter diesen Punkten - Wetter, KVR, Lichterführung, Seemannschaft - lässt sich genauso systematisch lernen wie die Checkliste selbst. SKIPPR legt dir jede Frage genau dann vor, bevor du sie vergisst, und übt Lichter, Schallsignale und Ausweichregeln interaktiv statt aus dem Buch.
Welcher Schein zu deinem Revier passt, zeigt die Bootsführerschein-Übersicht.
Häufige Fragen
Was muss ich vor jedem Ablegen prüfen?
Fünf Punkte, immer in derselben Reihenfolge: (1) Wetter und Wasserstand für die geplante Strecke, (2) Technik - Tank, Öl, Batterie, Lenzpumpe, (3) Rettungswesten anlegen lassen, (4) Funk und Lichter testen, (5) Crew-Briefing mit Mann-über-Bord-Plan. Die Reihenfolge ist Absicht: Sie geht von außen (Wetter) nach innen (Crew) und endet bei dem Punkt, den man am leichtesten vergisst.
Brauche ich den Bootsführerschein im Original an Bord?
Ja. Der Sportbootführerschein ist mitzuführen, und zwar im Original - eine Kopie oder ein Foto auf dem Handy genügt nicht. Bei einer Kontrolle oder bei der Charterübernahme wird das Original verlangt. Das gilt genauso für Funkzeugnisse wie SRC oder UBI, wenn eine Funkanlage an Bord ist.
Wie briefe ich eine Crew, die noch nie an Bord war?
Kurz und konkret, bevor die Leinen los sind: Wo liegen Westen und Rettungsmittel, wo ist der Feuerlöscher, was passiert bei Mann über Bord (rufen, Knopf am GPS, Person nicht aus den Augen lassen), wer darf was anfassen. Fünf Minuten reichen - aber sie müssen sein, denn im Ernstfall wird niemand mehr erklären.
Was gehört beim ersten eigenen Törn zusätzlich dazu?
Der Schein im Original, ein Wetterbericht speziell für dein Revier statt einer allgemeinen App-Vorhersage, und bei einer Charter die vollständige Übergabe: Schäden dokumentieren, Sicherheitsausrüstung zeigen lassen, Motor und Funk einmal selbst bedienen, solange der Vercharterer noch daneben steht.
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