Ratgeber

Stromdreieck & Stromversatz: Navigation mit Strom einfach erklärt

Auf dem Wasser fährt kein Boot geradeaus, wenn Strom steht. Der Strom schiebt dich seitlich weg, und dein tatsächlicher Weg über Grund weicht vom gesteuerten Kurs ab. In der SKS- und SBF-See-Prüfung ist das Stromdreieck die Standardaufgabe, um genau das zu berechnen - und im echten Bordbetrieb entscheidet es, ob du die Tonne triffst oder danebenläufst. Dieser Ratgeber erklärt das Stromdreieck Schritt für Schritt, für beide Fragestellungen der Prüfung.

Warum der Strom deinen Kurs verbiegt

Dein Boot bewegt sich durch das Wasser - aber das Wasser selbst bewegt sich mit dem Strom über den Meeresboden. Beide Bewegungen addieren sich. Steuerst du geradeaus nach Norden, während der Strom nach Osten setzt, ist dein Weg über Grund eine schräge Linie nach Nordosten. Genau diese Vektor-Addition ist das Stromdreieck.

Drei Fachbegriffe musst du sauber trennen:

Die drei Vektoren des Stromdreiecks

Jede Seite des Dreiecks ist ein Vektor - eine Strecke mit Richtung und Länge. Die Länge zeichnest du für eine Stunde: Fährst du 6 Knoten durchs Wasser, ist die KdW-Seite 6 Seemeilen lang; setzt der Strom mit 2 Knoten, ist der Stromvektor 2 Seemeilen lang.

Kennst du zwei Seiten, ergibt sich die dritte. In der Prüfung gibt es dafür zwei klassische Fälle.

Fall 1: Wo komme ich an? (Kurs über Grund bestimmen)

Gegeben ist, was du steuerst - gesucht ist, wo du landest.

  1. Trage vom Startpunkt A den KdW als Linie ab und markiere nach der FdW-Strecke (eine Stunde) den Punkt B.
  2. Hänge an B den Stromvektor an: in Stromrichtung, Länge gleich der Stromgeschwindigkeit. Das ist Punkt C.
  3. Die Verbindung von A nach C ist dein Kurs über Grund; ihre Länge ist die Fahrt über Grund.

Merke die Reihenfolge: erst das Boot (A nach B), dann der Strom obendrauf (B nach C). Die direkte Linie A nach C ist die Wahrheit über Grund.

Fall 2: Wie muss ich steuern? (Vorhaltewinkel gegen den Strom)

Gegeben ist der Weg, den du machen willst - gesucht ist der Kurs, den du dafür steuern musst. Das ist die häufigere und wichtigere Aufgabe.

  1. Zeichne vom Startpunkt A die gewünschte Kurslinie über Grund (die Richtung, in die du wirklich willst) als lange Linie.
  2. Trage von A den Stromvektor ab (Stromrichtung, Länge gleich Stromgeschwindigkeit) bis Punkt C.
  3. Schlage von C einen Bogen mit deiner Fahrt durchs Wasser (eine Stunde) und schneide damit die Kurslinie in Punkt B.
  4. Die Richtung von C nach B ist der Kurs, den du steuern musst (KdW). Die Strecke A nach B geteilt durch die Zeit ist deine Fahrt über Grund.

Der Winkel zwischen dem gesteuerten Kurs und dem gewünschten Weg ist der Vorhaltewinkel: Du hältst bewusst gegen den Strom vor, damit er dich genau auf die Ziellinie schiebt. Fausthilfe: Du hältst immer in den Strom hinein vor - kommt der Strom von Steuerbord, steuerst du etwas weiter nach Steuerbord.

Merkhilfen und typische Fehler

Üben: auf Papier UND in der App

Das Stromdreieck lernt man nicht durch Lesen, sondern durch Zeichnen mit Kursdreieck und Zirkel - genau wie in der Prüfung. Wer die Kurskette aus Missweisung und Ablenkung sicher beherrscht und die Gezeiten versteht, hat die halbe Navigationsaufgabe schon in der Tasche.

In SKIPPR festigst du die Theorie und die Begriffe dahinter mit verteiltem Wiederholen - damit im Prüfungsstress KdW, KüG, Vorhaltewinkel und Stromrichtung sitzen und du dich ganz auf die Konstruktion konzentrieren kannst. Ehrlich gesagt: Die eigentliche Kartenarbeit übst du zusätzlich auf Papier - dafür ersetzt keine App den Zirkel. SKIPPR ist die Theorie-Ergänzung, die dir den Kopf für die Zeichnung frei macht. Voller Navigations-Ratgeber: Navigationsaufgabe und Kartenarbeit.

Fazit

Das Stromdreieck ist reine Vektor-Addition: Boot durchs Wasser plus Strom ergibt den Weg über Grund. Für eine Stunde zeichnen, die Stromrichtung als “setzt nach” lesen, erst das Boot und dann den Strom abtragen - und beim Kurs zum Steuern immer in den Strom vorhalten. Wer diese vier Punkte verinnerlicht, löst die Navigationsaufgabe in SKS und SBF See sicher, auf dem Papier und auf dem Wasser.

Häufige Fragen

Was ist Stromversatz?

Der Strom schiebt das Boot seitlich weg, während es durchs Wasser fährt. Dein tatsächlicher Weg über Grund weicht deshalb vom gesteuerten Kurs durchs Wasser ab - diese Abweichung ist der Stromversatz. Wer ihn nicht einrechnet, kommt nicht dort an, wo er hin will.

Was ist ein Stromdreieck?

Ein Vektor-Dreieck aus drei Größen: Kurs und Fahrt durchs Wasser (wohin das Boot zeigt), der Stromvektor (Richtung und Geschwindigkeit des Stroms) und als Ergebnis Kurs und Fahrt über Grund (der tatsächliche Weg). Zwei der drei Seiten kennst du - die dritte konstruierst du in der Seekarte.

Wie finde ich den Kurs, den ich steuern muss?

Über das Stromdreieck rückwärts: Du zeichnest die gewünschte Kurslinie über Grund, trägst vom Startpunkt den Stromvektor ab und schlägst vom Stromende einen Bogen mit deiner Fahrt durchs Wasser auf die Kurslinie. Die Verbindung ergibt den Kurs, den du steuern musst - inklusive Vorhaltewinkel gegen den Strom.

Was ist der Unterschied zwischen Stromrichtung und Stromversatz?

Die Stromrichtung ist die Richtung, in die der Strom setzt (in Grad, zum Beispiel 'der Strom setzt nach 090 Grad'). Der Stromversatz ist die Folge daraus: die seitliche Verschiebung deines Bootes gegenüber dem gesteuerten Kurs. Richtung ist die Ursache, Versatz die Wirkung.

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